BLAUER SONNTAG der Industriekultur

Nordhessen ist ein Industriestandort mit langer Tradition, wenngleich die Entwicklung der Industrialisierung anfangs nur gemächlich in Gang kam. Am Hohen Meißner befindet sich zum Beispiel der älteste Braunkohlen- und Tonbergbau Deutschlands. Und seit Denis Papin, der französische Physiker, Mathematiker und Erfinder, in der Eisenhütte Veckerhagen um 1700 den ersten Dampfzylinder für eine Hochdruckdampfmaschine gießen ließ, sind erstaunliche Erfindungen und Bahn brechende Entwicklungen gefolgt, die in dieser Region ihren Ursprung haben.

Branchenriesen wie Henschel & Sohn, Salzmann & Comp., Kali + Salz, Volkswagen und SMA hatten und haben hier ihren Sitz. Die Industrialisierung hat vielen Menschen neue Erwerbsmöglichkeiten gebracht, ihr Leben geprägt und gleichzeitig das Bild Nordhessens bis heute verändert.

Die Verwaltung des industriekulturellen Erbes liegt in ehrenamtlichen Händen oder in der Verantwortung weniger Museen in kommunaler Trägerschaft.  Hinzu kommen aktuell produzierende Betriebe. Die kleinen und großen Standorte thematisch zu verknüpfen und ihre Akteure in einen Dialog zu bringen, ist eine Aufgabe, der sich das netzwerk industriekultur nordhessen nino widmet. Gemeinsame Aktivitäten - wie der BLAUE SONNTAG der Industriekultur - sollen helfen, nordhessische Industriekultur als einen wichtigen Bestandteil regionaler Identität touristisch zu vermarkten.

Der BLAUE SONNTAG wurde zum ersten Mal 2009 veranstaltet. Vom 10.-13. August 2017 findet nun der mittlerweile 9. BLAUE SONNTAG statt. Wir freuen uns darauf!

Am Montag mache ich blau

Dieser Satz kommt uns allen bekannt vor: der kleine, flüchtige Ausstieg aus dem Alltag, die fast poetische Umschreibung eines Verhaltens, das nüchtern betrachtet kein Kavaliersdelikt ist.

 Das netzwerk industriekultur nordhessen nino lädt alle ein - ganz ohne Folgeschäden für die berufliche Karriere - ‚blau‘ zu machen und sich auf Entdeckungsreise durch die Industriegeschichte unserer Region zu begeben.

Woher kommt der Begriff blau machen eigentlich? Eine Spur führt zu den Blau- oder Indigofärbern: sie kochten den zu färbenden Stoff erst in einer übel riechenden Brühe aus Indigo und alkoholangereichertem Urin, um in der darauf folgenden Trocknungsphase an der frischen Luft ihrem Stoff beim blau werden – betrunken im Gras liegend - zuzusehen. Einen weiteren Anhaltspunkt liefert die sogenannte blaue Messe, die an bestimmten Montagen im Jahr für die Verstorbenen des Handwerks gelesen wurde und den Gesellen der Zunft einen freien Tag bescherte.
In Nordhessen wiederum zelebrierte man Ende September stets den Lichtblauen Montag mit einem freien Arbeitstag - danach wurde in den Betrieben wieder bei künstlichem Licht gearbeitet.

Woher der Begriff auch immer kommt: ‚Blau machen‘ umgibt die Aura einer kleinen Flucht aus dem Alltag – einer außerplanmäßigen, besonderen Belohnung. Auch der Blaue Sonntag der Industriekultur möchte mit attraktiven Vorschlägen zu Ausflügen und Besichtigungen per Fuß, Rad, Regiotram und Auto am letzten Ferienwochenende in Hessen Groß und Klein belohnen