Themenschwerpunkt 2018: MIT ALLEN SINNEN

Das Jubiläumsjahr 2018 – 10 Jahre BLAUER SONNTAG – möchten wir mit allen Sinnen feiern und „Industriekultur“ mit den fünf menschlichen Sinnen entdecken ….

MIT ALLEN SINNEN – hören

„Das Auge führt den Menschen in die Welt, das Ohr führt die Welt in den Menschen ein.“ Lorenz Oken (1779 - 1851) Der Hörsinn ist einer der ausgeprägtesten und zugleich am wenigsten erforschten Sinne. Dabei ist Hören Grundlage der Kommunikation, des Lernens und des Verstehens. Der Hörsinn ist stets aktiv und lässt sich nicht ausschalten. „Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden“ - dieser Satz von Wilhelm Busch spiegelt die Ambivalenz akustischer Wahrnehmungen: denn ob ein Geräusch als angenehm oder als Lärm empfunden wird, hängt von vielen Faktoren ab. In der Produktion ist Hörschutz, bedingt durch laute Maschinen, meist Pflicht. Dennoch ist es nie einfach nur laut: Maschinen geben einen Rhythmus vor, der den Produktionsablauf vertont – das Gehör merkt sofort, wenn die Geräusche nicht stimmen, die Routine der Produktion aufgrund von Fehlern unterbrochen ist.

MIT ALLEN SINNEN – riechen

Menschen können schätzungsweise 1 Billion verschiedener Mischungen von Riechstoffen unterscheiden. Und so liefert der Geruchssinn permanent Wahrnehmungen, die u. a. auch vor lebensbedrohlichen Situationen warnen – wie etwa vor ausströmendem Gas oder vor einem Brand. Meistens spielen intensive Erfahrungen und Emotionen mit dem Geruch an einem bestimmten Ort bzw. mit dem Geruch assoziierte Ereignisse eine Rolle für das Erinnerungsvermögen: Weihnachten riecht nach Zimt, Sommer nach Sonnencreme, Zugreisen nach Raspelseife und Bremsflüssigkeit.

Jedes Produkt, jeder Produktionsvorgang hat seinen eigenen Geruch – sei es der Reifen aus Gummi, das im Extruder hergestellte Kunststoffteil, die Dose Champagner-Sauerkraut, die aus Altpapier hergestellte Pappe. Für Besucher*innen ist es eine besondere Erfahrung, „Gerüche der Industriekultur“ kennen zu lerne

MIT ALLEN SINNEN – schmecken

Die Geschmackswahrnehmung über die Zunge ist beim Menschen relativ unterentwickelt. Gerade mal vier Grundqualitäten können unterschieden werden: süß, sauer, salzig und bitter, hinzu kommt „umami“ - herzhaft, fleischig. Das subjektive und differenzierte Schmecken entsteht erst im Zusammenspiel mit dem Geruchs- und Tastsinn sowie mit optischen Eindrücken.

Welchen Geschmack gibt es in der Industriekultur Nordhessens? Sicher: Hier wird u. a. Sauerkraut, Zucker, Mineralwasser, Bier, Kautabak produziert. Aber auch jede Produktionsstätte hat ihren eigenen Geschmack (gehabt): Sei es das „Buttern Untertage“ in der Steigergrube in Borken, das den Geschmack von Kohle mitbringt oder die überregional bekannte VW-Currywurst

MIT ALLEN SINNEN – sehen

„Jedes Sehen will gelernt und geübt sein. Man sieht bloß, was man unterscheidet, und man unterscheidet nur, wofür man sich einmal interessierte und was man mit Namen zu nennen weiß.“ Carl Spitteler (1845 - 1924) Der Sehsinn liefert dem menschlichen Gehirn etwa 70 bis 80 Prozent aller Wahrnehmungen. Die meisten Menschen halten die Eindrücke ihrer Augen für objektiv und die visuelle Wahrnehmung für deckungsgleich mit der Realität. Das stimmt allerdings nur mit Einschränkung. Das Sehen kommt nämlich erst durch subjektive Hirnprozesse zustande, bei denen die Wahrnehmungen durch das Auge interpretiert und bewertet werden.

Das Sehen nimmt auch in der Produktion – und bei den meisten kulturellen Veranstaltungen - eine zentrale Rolle ein: vom Betrachten und Prüfen von Exponaten oder Produktionsmaterialen, über die Beaufsichtigung von Produktionsprozessen bis hin zur Qualitätsabnahme des fertigen Produkt

MIT ALLEN SINNEN – tasten

Der Tastsinn ist vor allem an den Fingerspitzen ausgeprägt. Tatsächlich senden Millionen von Tastsensoren am ganzen Körper permanent Botschaften ans Gehirn. Bei Dunkelheit, Blindheit oder verbundenen Augen kann der Tastsinn das Sehen ersetzen: Die taktile Wahrnehmung dient dann der räumlichen Orientierung und gibt Aufschluss über die Beschaffenheit von Oberflächen. Der Tastsinn vermittelt auch lebenswichtige Wahrnehmungen wie „schmerzhaft“, „kalt“ und „heiß“.

Viele industriell hergestellte Materialien, z.B. Papier und Stoffe, sprechen speziell den Tastsinn an und ermöglichen sinnliche Erlebnisse. Auch bei bestimmten Produktionsprozessen ist der Tastsinn von großer Bedeutung, z. B. bei der Bewertung von Oberflächenstrukturen.